Transformation aus der Kälte: Wie die Farben des Aronstabs auf meine Leinwand fanden
Servus! Schön, dass du wieder in meine alchemistische Ecke reinschaust.
Wer meine künstlerische Arbeit schon länger verfolgt, der weiß, oft aus einem ganz bestimmten Impuls, einem Bauchgefühl oder einer visuellen Sehnsucht entstehen, die den Anfang macht. Bei diesem Werk war es die reine Lust auf eine ganz bestimmte Farbdynamik: Ich wusste von der ersten Sekunde an, dass ich dieses Mal mit tiefen Blautönen und leuchtendem Türkis arbeiten wollte. Und ich wollte einen harten, feurigen Kontrast – ein kraftvolles Orange, das diese kühle Welt regelrecht aufbricht.
Als die ersten Farbschichten auf der Leinwand flossen, stand ich im Atelier und spürte, dass diese visuelle Spannung nach einer ganz bestimmten Entsprechung aus der Natur verlangt. Ich habe tief in meinem Wissen über die Traditionelle Europäische Medizin (TEM) gegraben und da war mir plötzlich glasklar, welche Pflanze hier gerade Form annimmt: Der Aronstab.
Das Fieber im tiefsten Schatten
In der TEM ist der Aronstab (Arum maculatum) eine der faszinierendsten Erscheinungen überhaupt. Er wächst im kühlen, feuchten Schatten unserer heimischen Laubwälder – genau diese kühle, fast mystische Umgebung spiegeln die Blau- und Türkistöne auf der Leinwand wider. Doch im absoluten Kontrast zu seinem schattigen Standort besitzt der Aronstab die unglaubliche Fähigkeit zur Thermogenese. Er kann seine Temperatur aktiv um bis zu 15°C über die Umgebungstemperatur anheben. Er beginnt mitten im kalten Waldboden regelrecht zu fiebern!
Das leuchtende Orange, das sich in einer unaufhaltsamen Kreuzkomposition seinen Weg durch das Bild bahnt, ist genau dieser Durchbruch der Wärme. Es ist das pure cholerische Prinzip (die Hitze), das auf das phlegmatische Prinzip (die kühlende Feuchtigkeit) trifft und die Erstarrung transformiert.
Die Signatur der Häutung
Um diese alchemistische Wandlung nicht nur farblich, sondern auch haptisch auf die Leinwand zu bringen, habe ich bei diesem 40x40 cm großen Mixed-Media-Werk mit Aquarylic und echter Schlangenhaut gearbeitet.
In der traditionellen Signaturenlehre nennen wir den Aronstab nämlich auch „Schlangenwurz“. Seine gefleckten Blätter und die kriechende Wurzel weisen uns direkt auf das Thema der Häutung hin. Medizinisch wurde er in der TEM früher genutzt, um tiefe Stockungen im Körper radikal zu lösen. Er ist ein echter „Ordner der Elemente“: Wenn im System etwas feststeckt, bringt die Schärfe des Aronstabs den Fluss zurück. Die eingearbeitete Schlangenhaut im Bild ist das haptische Symbol für dieses Abwerfen des Alten, das Loslassen dessen, was uns blockiert.
Dieses Bild ist für mich der Beweis, dass unsere Körpersäfte und die Natur dieselbe Sprache sprechen. Manchmal wählt die Intuition erst die Farben – und das alte Heilwissen der TEM liefert die vollkommene Antwort darauf.
Hast du den Aronstab schon einmal im kühlen Waldboden entdeckt und konntest diese transformative Energie spüren?
Schreib mir deine Gedanken dazu unglaublich gerne unten in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit dir hier in unserer alchemistischen Ecke!
Alles Liebe,
Marie-Louise

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